Donnerstag, 22. Mai 2008

Der Mann aus dem Wald: Bon Iver

What happens when you're broke, lose your band and your girlfriend?

Justin Vernon zog hinaus in die Wälder von Winsconsin, durchlebte einen "bon hiver" auf dem Weg zu sich selbst mit allerlei Instrumenten und beflügelten Wahrnehmungsveränderungen aufgrund des Alleinseins. Dem romantischen Ideal zum Trotz und von der eigenen Kreativität beflügelt schrieb er Songs, die einen Hauch Lagerfeuermusik mit souligen Singer/Songwriter Arrangements kombinieren. Zwischendurch überraschen Posaunen- und Trompetenklänge ebenso wie heisere Elektrotöne, die von den bizarren Irrungen und Wirrungen verpasster Träume erzählen. Zurück aus dem Wald und angekommen im Frühling präsentiert Justin Vernon alias Bon Iver sein Debut For Emma - Forever ago.
Für den nächsten Waldaufenthalt plant er den Bau einer Whiskey-Destille und möglicherweise ein weiteres Album. Vorher gibt's aber erstmal Sommer, und Bon Iver live.

25.5.08 | 20 Uhr |Privatclub, Pücklerstraße 34

Dienstag, 20. Mai 2008

On beeing complicated: Alina Simone in concert



Singer/Songwriter Alina Sinome, born in Ukraine, grown up in Massachusetts, nothing to do but writing lyrics 'bout places where nothing and everything seems to happen — pawn shops, access roads, malls, gas stations and people that bring you to the brink of joy and despair or about having epiphanies in the most ordinary places..
Nach ihrem EP-Debut "Prettier in the Dark" (2005) erschien 2007 "Placelessness".

Über Alina Simone berichteten wir bereits an dieser Stelle, und langsam wird es Zeit für ein persönliches Treffen, und zwar am

22.5.08 | 21 Uhr | Schokoladen Berlin | Ackerstraße 169

Hörproben gibt's hier: 

A musical snowglobe: My Brightest Diamond




























Zwei Jahre nach ihrem grandiosen Debut (Bring me the workhorse) und anschließender Tour, veröffentlichen My Brightest Diamond nun ihr zweites Album "A thousand's sharks teeth" auf Asmathik Kitty Records. Charmant anmutend und aufregend betörend klingen die ersten Töne des neuen Albums. Jeder Song lädt ein, auf eine Reise die noch andauert, wenn der Song schon lange vorbei ist, melodiöse Kompositionen grazile multiinstrumentale Arrangements begleiten die dynamisch und kraftvollen Gesangseinlagen der New Yorkerin Shara Worden. A Thousand sharks spiegelt verschiedene Stadien des Songwriting von Shara Worden wieder. Einige Songs sind während oder vor dem Release des ersten Albums entstanden, wirken sehr kraftvoll und bestechen durch gitarrenlastige Arrangements. Andere wiederum zergehen fast in den orchestralen Einflüssen, die den Gesang umspielen und diesem mit Violinen, Harfen und Hörnern zu schmeicheln versuchen.
Die Genre- und Farbenvielfalt, in denen die Geschichten von My Brightest Diamond spielen, lebt Shara Worden in der Regel auch auf der Bühne voll aus, und zwar gesanglich und optisch, wovon wir uns bereits Anfang letzten Jahres eindrucksvoll überzeugen durften. 
Das ist auch kein Wunder, denn die Dame hat bereits hinreichende Erfahrungen als Musicalsängerin, Kostümschneiderin, Electroarrangeur-in und nicht zuletzt auch in der Band von Sufjan Stevens gesammelt. 
Auf dem neuen Album scheint diese reichhaltige Erfahrungsflut eindrucksvoll verarbeitet zu sein. Das Album wurde in L.A., Berlin und NYC aufgenommen und featured 20 verschiedene Instrumentalisten, die allesamt ein wenig Opern-und Musicalhauch eines großen Orchesters versprühen.
Inspiriert ist die Umsetzung der Songs aber vor allem auch durch Künstler wie Tricky, den Maurice Ravel, Anslem Kiefer und den Zauberwelten einer Alice im Wunderland. Kein Wunder, dass man bei jedem neuen Song, den man hört, das Gefühl hat, auf einem reisenden Stern zu sitzen, der einen in eine neue Welt mitnimmt, die alles birgt, sharks and kisses.

Live gibt's hoffentlich auch bald wieder mehr, aber vorerst sind nur Shows in den Staaten geplant.


Montag, 19. Mai 2008

Strange fruits: Eliot & The Ritournelles

Melodramatischer, und obendrein noch französische Pop. 
Braucht die Welt das wirklich, muss man sich zuerst wohl still und heimlich fragen. Allerspätestens nach den ersten drei zarten Klängen sanfter Ukulelen und noch vor dem Einsetzen einer fragilen und ganz und gar nicht französisch klingenden, aber unumstreitlich weiblichen Stimme werden sämtliche Zweifel über Bord geworfen, denn das Funktionieren dieses Pariser Ensembles, so called Eliot & The Ritournelles, basiert auf fragmentarischen Lyrics, Instrumenten, die schon lange out of trend and tune sind, wohl aber gezielt minimalistisch an den richtigen Stellen eingesetzt werden um erste Gedanken an lauwarme Sommerabende in Gang zu setzen. Über die nördlichen Grenzen Frankreichs scheint die Band noch nicht hinaus gekommen zu sein. Doch einem ersten Hörurteil nach zu urteilen, sollte sich schleunigst jemand bereit erklären, die Damen und Herren auf einen live Gig an die Spree einzuladen. 

Einladungen an Eliot & The Ritournelles dürfen auf ihrer myspace Seite verschickt werden

Sonntag, 18. Mai 2008

These New Puritans


Video by Saam

Jack Burnett, sein Zwillingsbruder George Burnett, Thomas Hein und Sophie Sleigh-Johnson sind vier 19-jährige Briten aus Southend, UK. Ihr Debutalbum "Beat Pyramid" kam Anfang des Jahres raus und obgleich ich das Video lange verschmäht habe, kann ich nun doch nicht daran vorbei. 
Die puristischen Tempomacher mit Post-Punk- und Electroeinfluss treffen den Nerv der Zeit.
Die stoischen Beats, der blecherne Gesang und die kantige Musik sind so sperrig, das sie schon wieder stilisieren lassen. Der französische Designer Hedi Slimane wünschte sich für die Fashionshow von Dior Homme Musik von Ihnen. Ein Fan des Sounds ist auch ihr Poduzent Gareth Jones, der schon für den Erfolg der Einstürzenden Neubauten, den Liars und Depeche Mode mitverantwortlich war. 

Walking Fingers

Do The Green Thing


Cornelius - Tone twilight zone

Sonntagsbiographie



Gehört haben wir ihn vermutlich alle schon mal, denn es gibt kaum einen Film, den ihr nicht kennt, für den Philip Glass den Sound komponiert hat. Er gilt als einer der produktivsten Komponisten der Gegenwart. Nach 50 Alben habe ich aufgehört zu zählen, sein Kalender ist voller Screeningtermine von Filmen, für die er noch heute komponiert.

1937 in Baltimore geboren, war sein erstes eigenes Instrument die Violine, im Alter von 6. Mit acht Jahren wurde er Schüler am Peabody Conservatory, als Zehnjähriger spielte er bereits in lokalen Orchestern. Von 1952 bis 1956 studierte er Mathematik und Philosophie an der University of Chicago. Bis 1962 studierte er vor allem Klavier an der Juilliard School of Music in New York. Er schloss sich der gemäßigten amerikanischen Moderne an und führte zu dieser Zeit bereits mehr als siebzig seiner größtenteils in der Kompositionsklasse entstandenen Werke auf. 1964 ging er nach Europa, wo er dank eines Fulbright-Stipendiums zwei Jahre Schüler bei Nadia Boulanger in Paris sein konnte. In Paris begegnete Glass dem indischen Komponisten Ravi Shankar. So kam er zum ersten Mal mit indischer Musik und Denktradition in Kontakt, vor allem mit dem asiatischen Rhythmus- und Zeitverständnis. Der tief beeindruckte Glass bereiste Indien und andere Länder Asiens, dazu den Vorderen Orient und Afrika. 1965 begann Glass für das Schauspielensemble seiner ersten Frau zu komponieren. Sein erstes Werk war eine Komposition für zwei Saxophone zu Samuel Becketts Stück Play. In den nächsten zehn Jahren schrieb Glass immer wieder solche Theatermusiken, danach eigene Bühnenwerke. Mit seiner Rückkehr in die USA gründete Glass 1970 das Philip Glass Ensemble, um seine Kompositionen in einer eigenen Gruppe auszuprobieren, deren auf traditionellen Instrumenten gespielte Musik er öfter elektronisch verstärkte und verfremdete. 1976 wurde Glass´ erfolgreichste Oper Einstein on the Beach, Resultat seiner ersten Zusammenarbeit mit Robert Wilson, in Avignon uraufgeführt und machte den Komponisten weltweit bekannt. Nach dieser Oper komponierte Glass ein nächstes Werk für die Bühne, das Tanz, Film und Musik vereinende Dance. In dieser Zeit war der Komponist durch seinen beginnenden Erfolg noch nicht finanziell abgesichert und übte Nebenjobs wie Taxifahrer, Klempner, Möbelpacker und Kellner aus. 1980 folgte ein weiterer Erfolg: die Mahatma-Gandhi-Oper Satyagraha. 1983 folgte eine nächste Oper, Akhnaten, über den Pharaoh Echnaton. Diese drei Opern bilden eine Trilogie über Männer, die die Welt gewaltfrei veränderten. Er galt als Komponist der New-Age-Bewegung. Filmmusikerfolge des Komponisten waren unter anderem eine neue Partitur für den Horrorfilm-Klassiker Dracula, die Musik für den Martin-Scorsese-Film „Kundun", die Mediensatire „Die Truman" und für „The Hours“.

Mein Sontagssong für heute ist "It was always you, Helen" aus dem Film Candyman.

Samstag, 17. Mai 2008

Pretty in Pink: The Dresden Dolls



Das Brechtian Punk Cabaret alias The Dresden Dolls pfelgt zumindest namentlich spezielle sächsische Beziehungen. Musikalisch bringt es das eigenwillige nordamerikanische Duo tatsächlich wieder einmal fertig die Menschheit diesseits des Atlantiks in vollendetes Staunen zu versetzen. Nach dem grandiosen Album "Yes, Virginia.." und einer ausgiebigen Tour 2006 legen Amanda Palmer und Brian Viglione jetzt mit "No, Virginia" nach. Das neue Album beinhaltet sowohl Fragmente bisher unveröffentlichter Songs, als auch neues Material und neu gefeaturte Songs diverser "Yes, Virginia"-Liveshows. Auf Shows des Punk Duos dürfen sich vorerst nur Hörer jenseits des Atlantiks freuen. Einzige Ausnahme bleibt vorerst das Highfield Festival Mitte August in Erfurt. Das neue Album erscheint am 20. Mai und bei 3voor12 darf man schon mal erwartungsvoll vorhören.

myspace

Dienstag, 13. Mai 2008

Everyone is someone's: Rio en Medio

Lust auf folklastige Abenteuer aus Brooklyn? Dann wird es Zeit die neuste Entdeckung um die Freak Folk Avantgarde aus dem Hause Devandra Banhart und Coco Rosie etwas zu erweitern und die gebürtige Mexikanerin Danielle Stech-Homsy alias Rio en Medio in die betuchten Kreise aufzunehmen. Das neuste Werk "The Bride of Dynamite" eben dieser wundersamen Dame featured ganz nebenbei Sierra Casady, Tim Fite und wurde unter anderem von Andy Cabic (Vetiver) mitproduziert. Und was man zu hören bekommt entfacht ein berauschendes Abendteuer aus ukulelen, afrikanischen Tönen, die von der Fragilität zwischen Echtezit und Wartezeit erzählen, zwischendurch einen beatlastigen Hip Hop Ausflug wagen um sich in zappelnden Gitarrenanschlägen selbst hinterher zujagen, auf der Suche nach einer tonalen Heimat in oraler Tonlast residieren und schlussendlich in einem Versuch aus Fragen und Visionen ausklingen.
In Nature darf man Rio en Medio gelegentlich im Vorprogramm von Coco Rosie erleben. Bis Ende Mai wird die Formation die Beneluxstaaten, La France und Spanien bereisen und vermutlich enorm begeistern..

Montag, 12. Mai 2008

Der Engel steigt auf: Irina Sendler


(Bild via www.iam.pl)
Irina Sendler hat im 2. Weltkrieg als Sozialarbeiterin 2500 Menschen, vor allem Kindern, gemeinsam mit Freunden aus dem Warschauer Ghetto geschmuggelt. 1943 flog sie auf, entkam der SS und machte weiter. Israel rief sie 1965 zu einer "Gerechten der Völker" aus. 2007 wurde sie für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. 
Am Sonntag ist Irina Sendler im Alter von 98 Jahren gestorben, but we won't forget her.

Von gestern bis morgen

Antennen. Subkontinente aus Maschendraht. Ich halte mir die Ohren zu. Die Luft klingt fremd, die Sonne täuscht Ruhe vor, und alle verlassen sich darauf. Rings umher wachsen bunte Punkte zu fetten, stinkenden Ansammlungen an, die Wichtigkeit improvisieren. Alle wissen Bescheid und kennen die Richtung. Trotzdem verhalten sie sich wie Anfänger. Laufen anderen Umherstehenden über Füße und heucheln excuse me's für Fortgeschrittene. Seit einer Minute stehe ich nun hier und seit einem Drittel dieser Minute frage ich mich, wann es vorbei sein wird. Von hinten kommt ein neuer Schub gefallsüchtiger Gewinner, die die Lösung errieten und nun zu den Bevorzugten gehören wollen. Ich muss mich fragen, was hinter dem Türschlitz passieren wird, gegen die sich unsere Körper und körpernden Körper pressen. Niemand lässt los als der Strom anfängt zu ziehen. Alle ramponieren ihre Gliedmaßen und proben pränatale Körperstellungen. Endlich drinnen. Wir schauen erhaben raus und fühlen uns wichtiger. "Es war einmal" für einen atemlosen Augenblick. Boxen schicken Vibrationen und verdächtige Schwingungen der gewollten Parallellandschaft in die Ohren, die die Beine zucken lassen. Einfrieren, auftauen und in einem anderen Blütenland aus duftenden Lügen erwachen. Wir betrachten die Rückseite, drehen uns um uns selbst und kommen wieder vorne an. Dann ist Übermorgen, alles hat den gleichen Namen und die gleiche Form. Wir teilen Inruhelassen, stellen uns hinten an und üben Wie-Wörter statt sie selbst auszuprobieren.